Flüchtlingsunterkünfte für Obdachlose nutzen!


Die Zahl der Obdachlosen in Deutschland ist seit 2014 um ca. 150 % gestiegen, aktuell sind fast eine Million Menschen ohne Wohnung. Eine Lösung könnten leer stehende Unterkünfte für Flüchtlinge sein: Dort könnten Wohnungslose untergebracht werden, bis für die Betroffenen geeigneter Wohnraum gefunden werden kann.

Der SPD-Ortsverein Altstadt-Mitte hat sich in seiner letzten Mitgliederversammlung mit dem Thema Obdachlosigkeit in Bremen befasst. Als Referent war Bertold Reetz von der Inneren Mission eingeladen, der über die aktuelle Situation referierte. Die Zahlen sind besorgniserregend: Allein in Bremen leben derzeit schätzungsweise 500 – 600 Menschen ohne festen Wohnsitz auf der Straße. Zwar stehen ihnen verschiedene N otunterkünfte und Angebote für begleitetes Wohne zur Verfügung, trotzdem übersteigt der Bedarf das Angebot fast um das Doppelte.

Einer der Hauptgründe für die immer noch steigende Zahl an Wohnungslosen sind die besonders in den Großstädten dr astisch gestiegenen Preise für Wohnraum. Auf Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Sucht folgt oft Zahlungsunfähigkeit und dann die Zwangsräumung. „Es gibt kaum noch bezahlbare Wohnungen für Geringverdiener“, so Bertold Reetz von der Inneren Mission „Gerade im Segment der 1 – und 2 – Zimmer – Wohnungen ist das Angebot besonders dünn. Die mangelnden Investitionen in sozialen Wohnungsbau der letzten Jahre rächen sich nun“.

Gleichzeitig stehen in Bremen und deutschlandweit viele Unterkünfte für Geflüchtete leer. Oft wu rden sie von den Kommunen langfristig angemietet und verursachen Kosten, egal ob dort jemand wohnt oder nicht. „Man könnte dort also kurzfristig und ohne hohen zusätzlichen Aufwand obdachlose Menschen unterbringen. Besonders mit Blick auf die ka lte Jahreszeit ließe sich so schnell und effektiv helfen“, so Reinhold Wetjen, Vorsitzender des Ortsvereins.

Unter besonderer Selbstv ernachlässigung leiden unter den Obdachlosen vor allem jene Menschen, die eine psychische Erkrankung haben, sich d ieser jedoch nicht bewusst sind. Für sie sind h erkömmliche Wohnheime meist ens ungeeignet, stattdessen brauch en sie spezielle Betreuung. „Für diese Menschen bleibt derzeit lediglich die Straße als Unterkunft“, so Reetz, oder die Stadt Bremen müsste ein speziell zugeschnittenes Angebot für sie schaffen.

Es steht außer Frage, dass die Wohnungsnot langfristig nur mit Hilfe eines stärkeren Engagements im kommunalen Wohnungsbau bekämpft werden kann. Kurzfristig ändert dies jedoch nichts an der prekären Situation hunderter Menschen auf der Straße. Der SPD – Ortsverein Altstadt Mitte fordert daher:

  • Leer stehende Flüchtlingsunterkünfte für die Unterbringung von Obdachlosen nutzen !
  • Kommunale Angebote für Obdachlose mit psychischen Erkrankungen schaffen

 

Die Pressemitteilung als pdf zum Download.